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Das Märchen der Familie Thurm

Auf was man nicht alles stößt, wenn man sich mal zwei Stunden Zeit für Erinnerungen nimmt! Für die Anekdoten von damals, für die kleinen und großen Geschichten.

Dass etwa Hotelier Erhard Thurm in Zimmer 4 geboren und damit wirklich ein Kind des Rübezahl ist: herrlich!

Oder die Cinderella-Geschichte seiner Frau Giselle, die als brasilianische Eiskunstläuferin in Füssen trainierte, im Rübezahl nach einem Job suchte und hier die Liebe ihres Lebens fand …

Auf der anderen Seite: Nur aus eitel Sonnenschein bestand die Welt früher auch nicht. 1959 zum Beispiel, als Hildegard und Herbert Thurm ihre kleine Gastwirtschaft mit Pension eröffneten. Die Familie stammte aus dem Riesengebirge, war im Ruhrgebiet nie heimisch geworden und wurde im Allgäu eher skeptisch aufgenommen.

„Meinen Eltern hat man drei Monate gegeben“, sagt Erhard Thurm. „Hier im Haus gaben sich damals die Pächter die Klinke in die Hand, denn die touristische Saison war nur acht Wochen lang – und von den Stammtischlern konnte man nicht leben.“

Hinzu kam: Was haben die Flüchtlinge schon? Einen eisernen Willen? Ja. Und den Ehrgeiz, etwas neues aufzubauen und es den skeptischen Nachbarn zu zeigen. Also beißen sich die Thurms durch. Den Namen Rübezahl bekommt die kleine Pension in Erinnerung an die alte Heimat– ansonsten setzt man auf Fortschritt und Komfort.

Das Rübezahl wird zum ersten Haus mit warmem Wasser in den Zimmern. Die ersten Duschen, die modernsten Toiletten im Ort, der erste Fernseher – in den frühen 1960er-Jahren eine Sensation. Um das zu schaffen, hilft die ganze Familie mit. Die Schwestern Erika und Brigitte müssen einige Male in der Schule entschuldigt werden, weil man sie im Service braucht. Nur Filius Erhard Thurm besucht eine weiterführende Schule, absolviert eine Kochlehre und die Hotelfachschule. „Am Ende wollte ich meinen Eltern beweisen, dass sie aufs richtige Pferd gesetzt haben und ich wollte dem Dorf zeigen, dass das Flüchtlingskind etwas reißen kann“, sagt Erhard Thurm. „Manchmal ist es doch so: Je weniger man hat, desto mehr strengt man sich an.“

DIE PRINZESSIN AUS RIO DE JANEIRO - Ehrgeiz und Fleiß – mit diesen Tugenden kommt auch Giselle Gorian Teixeira ins Allgäu. Die brasilianische Eiskunstlaufmeisterin von 1984/85 zieht des Sports wegen nach Füssen. Die besten Trainer, die besten Trainingsbedingungen – Olympia ist nur über das Allgäu zu erreichen. Eis und Unterkunft stellt der deutsche Eislaufverband, fürs Training aber muss man sich etwas dazuverdienen. Tagsüber Souvenirs verkaufend, abends zum Beispiel als Servicekraft im Rübezahl. Riomäßig braungebrannt und durchtrainiert trifft Giselle den jungen Küchenchef, der sofort wie vom Blitz getroffen ist. „Ich habe gedacht: Diese Frau schickt der liebe Gott“, sagt Erhard und lacht. Nach „Monaten des Kartoffelschälens“ (Giselle) und „Wochen der Eroberung“ (Erhard) werden die beiden ein Paar. Und was für eins …

1990 wird geheiratet, fünf Jahre später kommt Alexander auf die Welt und durchlebt seine ersten Jahre als angehender Hotelier im Laufstall hinter der Rezeption. Später wird Alexander Hotelmanagement studieren, in einigen der besten Häuser Europas arbeiten und sich so darauf vorbereiten, die Familiengeschichte fortzuschreiben. …

UND PLÖTZLICH GEHT DIE POST AB! - „Schon als Dreijähriger hat er die Gäste begrüßt“, sagt Giselle lachend und zeigt das Bild mit dem Laufstall hinter der Rezeption. Herrlich! Schwester Franziska macht Karriere als Biathletin, schafft es unter die besten zehn in Deutschland und studiert dann ebenfalls Hotelmanagement. Nur Bruder Stefan hat mit der Hotelbranche nichts am Hut, er ist als Gärtner glücklich.

Mit Erhard und Giselle Thurm wächst das Rübezahl in den 1990er- Jahren von 35 auf 115 Betten. Das Landhaus wird gebaut; selbst der Freistaat glaubt an die Thurms und engagiert sich mit einer stillen Beteiligung. Aus dem Gasthof wird ein Restaurant, aus der Sauna mit Solarium ein kleines Spa und in den 2000er-Jahren bauen die Thurms mit der Therme Romana diesen Aspekt noch weiter aus. 2004 entsteht die Residenz mit den Junior-Suiten und 2010 wird das Haupthaus entkernt, generalsaniert und um die Orangerie erweitert.

Im Jahr drauf folgt die nächste kulinarische Initialzündung, der später mit dem Gams und Gloria (seit Oktober 2017) nach den Sternen greift.  2014 entstehen 19 neue Doppelzimmer und Suiten, der Tagungsraum, die neue Lobby, die Panorama-Sauna und ein komplett neuer Beauty-Bereich.

....und die Rübezahl-Geschichte geht immer weiter.....