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Ab durch die Reben

Kann man Wein erklären? Und wenn ja, wie? Für Sommelière Caroline Zuber im Hotel Das Rübezahl ist das kein Problem. Dass sie die puren Fakten wie Rebsorte, Jahrgang und Weingut aus dem Effeff beherrscht – eh klar. Aber da ist ja noch mehr: Geschmack, Aroma, Anbau, Terroir, Philosophie. Und die Frage: Passt der Wein zum Essen? Und zum Gast? All das zu wissen, ist eine hohe Kunst… Wie aber diesen Kosmos auch interessierten Fachkräften zugänglich machen? Am besten durch Anschauungsunterricht vor Ort. „Ja, so war es wirklich“, sagt Caroline, als sie vom Teamevent beim Weingut Heitlinger im nordbadischen Östringen-Tiefenbach erzählt. „Wir standen in den Weinbergen, begutachteten die Rebstöcke und tranken den dazugehörigen Wein – herrlich!“, schwärmt sie noch immer. „Ich habe gemerkt, dass die Kollegen und Kolleginnen plötzlich einen ganz anderen Zugang zu dem Thema bekamen. Es war nicht mehr abstrakt, sondern wirklich begreifbar.“

Möglich gemacht hatte das der langjährige Weinlieferant des Rübezahl, Gregor Lang. Er lud im Namen der Winzerfamilie Burmeister, die das alteingesessene Weingut leitet, einige Auserwählte ein: das Team, das für den ersten Michelin-Stern des Gourmetrestaurants Gams & Gloria mit so viel Herzblut gekämpft hatte. „Da passte so ein Event doch perfekt als zusätzliche Anerkennung“, meint auch Gastgeber Erhard Thurm.

 

Alkohol im Unterricht? Na klar!

„Die beiden Tage waren perfekt“, erzählt Caroline. „Wir waren direkt vor Ort untergebracht untergebracht, das Wetter war ein Traum, die Stimmung klasse und der Genuss kam auch nicht zu kurz – im Gegenteil.“ Schon auf der Hinfahrt wurde verkostet. Kaum angekommen, fuhr Winzer und Kellermeister Claus Burmeister mit seinen Gästen in den Wormsberg. „Große Lage, Steilhänge, perfekt für den Pinot Noir“, fasst die quirlige Sommelière zusammen. Begeistert ist sie von der Leidenschaft für den Wein, die Claus Burmeister dem Team näherbrachte. „Auf einem Plateau haben wir im Weinberg zu Abend gegessen und die Weine verkostet, das war einfach super!“ Auch Tag zwei war für die – nennen wir es mal: Bildung – vorgesehen. „Wir waren in den anderen Lagen, konnten dort die Weine probieren, haben die Menschen kennengelernt und gesehen, dass sie in ihre Arbeit genauso viel Herzblut stecken wie wir in unsere.“ Caroline, die es bei ihren Besuchen in Weingütern eigentlich gewohnt ist, erstmal im Keller vorbeizuschauen, war dieses Vergnügen eine ganz neue Erfahrung. „Irgendwie“, meint sie, „habe ich auch mehr gelernt, einen ganz neuen Blick bekommen.“ Und die Kollegen auch: Für sie sind Königsbecher, Hassapfel und Schellenbrunnen nicht mehr bloß lustige Namen, sondern Titel spannender Wein-Geschichten.

Über den Winzer

Es gibt einen Satz von Winzer Claus Burmeister, der zum Nachdenken anregt: „Wein soll die Magie eines Ortes an den Gaumen tragen.“ Wie gut sich der Zauber des Kraichgau mit der alpin geprägten Küche der Restaurants Gams & Gloria und Louis II. verträgt, zeigt ein Blick auf die Weinkarte: Das Weingut Heitlinger ist mit zwölf Positionen vertreten. Gerade im Gourmetbereich erfahren die Weine – allen voran die Premium-Cuvées Black Tie und White Tie – große Anerkennung.
80 Hektar umfassen die Weinberge im Anbaugebiet Baden, die Böden sind von kalkhaltigem Buntmergel geprägt. Seit 2010 werden die Rebberge nach den strengen Richtlinien des ökologischen Weinbaus bewirtschaftet, seit 2014 zudem nach den Regeln des biodynamischen Weinbaus. Burmeisters Begeisterung für Wein ist ansteckend. Wenn er zum Beispiel erzählt, wie viel Handarbeit nötig ist, um dem Wein gerecht zu werden. Oder wie es gelingt, den Charakter eines Weins hervorzuheben. Welchen Einfluss das Mikroklima hat und warum Wein von Jahr zu Jahr ein bisschen anders schmecken kann.
Unterstützt wird er dabei logischerweise auch von Helfern in flüssiger Form: „Für unsere Weinbergtour im Herbst vergangenen Jahres haben wir dem Rübezahl-Team in den verschiedenen Lagen die dazu passenden Weine präsentiert. Anfang und Ende sozusagen“, sagt er und lacht. Das Teamevent hat auch ihm Spaß gemacht: „Ich war begeistert, wie wissbegierig, interessiert und aufgeschlossen die Gäste waren.“ Übrigens: Auch Weininteressierte, die nicht aus der Gastronomie kommen, können eine Tour machen: www.weingut-heitlinger.de